Trägheit.

Liebe Katha,

dass, was ich gerade am meisten von allen um mich herum höre, ist, dass sie müde sind. Jeder schreibt, erzählt und betrauert, wie müde man ist. Inklusive mir. Ich könnte nur noch schlafen. Egal, wann ich ins Bett gehe: Wenn der Wecker klingelt, habe ich das Gefühl, ich wurde über Nacht betäubt und muss mich aus den tiefsten Tiefen des Schlafs empor kämpfen. Draußen wird es niemals hell, es regnet gefühlt in einem durch und der Körper wird träger und träger.

Der November ist ein Arschloch.

Ja, ja, da gibt es all diese weisen Ratschläge aus Apotheken-Zeitschriften oder von fancy Lifestyle-Blogs, die einem alle erklären, man solle trotzdem raus ans Tageslicht. Und Sport machen. Und voll viele Vitamine zu sich nehmen. Und natürlich Wechselduschen. Auf keinen Fall das Wechselduschen vergessen. Und die Sauna-Gänge. Dann ist man super fit und irre gut drauf.

Ja. Mag ja alles sein. Aber was, wenn einem mehr nach Dauer-Netflix-gucken, den Jogger-mit-dem-alten-Schock-Fleck-drauf-nicht-ausziehen, Pasta-aus-dem-Topf-vor-der-Glotze essen, noch-die-zweite-Flasche-Rotwein-aufmachen und nicht-ans-Telefon-gehen ist?! Ist man dann ein schlechter Mensch? Habe ich dann die Kontrolle über mein Leben verloren?!

Ich bin sicher: Nein. Der November ist quasi dafür konzipiert worden, mal so richtig loszulassen. Von mir aus auch mit ’ner vollen Portion Melancholie. Und strähnigem Haar. Und ich muss es wissen, ich bin schließlich im November geboren. Profi quasi.

Also gähnt, was das Zeug hält, jammert so lange, bis endlich die Glühwein-Stände aufhaben, liegt euch wund und packt schon mal die ersten Winter-Pfunde auf die Hüften. Vielleicht brauchen wir alle diese kollektive Müdigkeit, um dieses Jahr abzuschließen.

Was mich aufrecht hält, ist die Tatsache, dass unser Flüge schon gebucht sind und wir beide schon direkt nach Weihnachten Richtung Asien starten. So, wie wir es uns diesen Sommer versprochen haben: Silvester sitzen wir zusammen am Meer. Die Füße im warmen Sand und blicken auf das Jahr zurück.

Aber was noch viel besser ist: Wir schauen 2018 fest in die Augen und sagen ihm, dass es sich warm anziehen kann. 2018 starten wir durch und die Transformation wird abgeschlossen. Unsere Pläne sind gemacht, die Ideen sprudeln und der letzte Rest Verzagtheit in unseren Herzen wird jetzt in diesem November eingeschläfert.

In diesem Sinne: Gute Nacht.

Deine Meike

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