Von Nebenkriegsschauplätzen und dem Gefressen werden.

Liebe Katha,

wie schnell raste dieses Jahr bitte an uns vorbei, in uns hinein, durch uns hindurch? War es nicht erst gestern, dass wir zusammen auf Bali auf das Silvester-Feuerwerk geguckt haben und mit Champagner auf dieses Jahr 2018 angestoßen haben? Auf das es uns mehr Glück bringt, als das Jahr davor… Rasen können wir beide ganz gut und ich weiß, dass auch Du mit schweren Gedanken zu kämpfen hattest… Gerade dann rast man gerne erst Recht immer weiter, wie so viele von uns.

Manchmal verliert man dabei aus dem Blick, dass es nicht reicht, sich immer wieder neue Projekte zu suchen, mehr zu arbeiten, mehr in die Tage zu packen oder immer neue Dramen und Umwege in den Alltag zu streuen. Ich frage mich, ob man unbewusst manchmal die kleinen Schmerzen wählt. Die, die man vermeintlich ganz gut aushalten kann, die man immer noch am Ende kontrollieren kann, weil sie einen eben doch nicht direkt am Herzen berühren. Nur um nicht hinsehen zu müssen, was eigentlich schwelt. Man macht einfach ein kleineres Fass auf, um nicht durch das große voll Scheiße tauchen zu müssen. Klappt mega. Also so ne Weile. Wenn das dann nicht mehr geht, weil man sich selbst irgendwann nicht mehr dabei ernst nehmen kann, sollte man versuchen, den Absprung zu schaffen, sonst leidet die eigene Glaubwürdigkeit. Und das Spiegelbild. Weil Nebenkriegsschauplätze einem das Strahlen klauen auf die Dauer. Sie lenken einen zwar ab, aber sie lösen weder deine wirklichen Probleme, noch bringen sie etwas anderes als Aufschub.

Vielleicht ist das alles auch nur menschlich. Dass man den Fokus verschiebt, um nicht nachzusehen, was einen juckt. Ganze Branchen generieren sich doch aus Menschen, die diese Herangehensweise wählen. Immer dort, wo man brennen und ausbrennen kann, wo man nicht so schnell nach Hause muss, weil immer noch was zu tun ist. Wo man angeblich unersetzlich ist, wo man etwas bewegt, einen aber doch oft nur der emotionale und persönliche Stillstand weitertreibt. Zumindest erleichtert einem das den Glauben daran, die Kontrolle zu haben. Ist ja schließlich der Job und Arbeit doch per se etwas Gutes, oder?!

Kontrolle. Was soll das sein? Wer soll die haben? Wie immer gilt: Wenn du das Schicksal zum Lachen bringen willst, schmiede Pläne… Auch die Nächte sind ganz grandios dafür, zuzudecken, wegzudrücken und trotzdem Geschwindigkeit zu fühlen. Licht, Bass, Gläser klirren und ewiges Marodieren… Bleib nicht stehen, sonst fressen dich deine Dämonen. Reisen, einmal um die Welt und wieder zurück. Immer neue Menschen treffen. Sich verlieben, entlieben, Herzen konsumieren bis alles stumpf ist. Oder den Körper immer weiter perfektionieren, ihn formen, stählen, bearbeiten, bis man meinen könnte, man habe auch ihn im Griff. Oder die, die sich in vermeintliche Spiritualität flüchten. Achtsamkeit, bis sich der Magen umdreht, verlogenes Aufspüren von  Blockaden, die dann mit überteuerten Coachings behoben werden sollen, aber nichts davon ist wahr. Jeder darf plötzlich  ein bisschen mitmischen im www der Esoterik-Eitelkeiten. Andere retten sich in die Beschaulichkeit des Spießertums und hoffen, dass mit der weiteren Perfektionierung des Vorgartens, auch das Glück in ihrem Herzen Einzug hält. Nur um nicht zu spüren, dass die Einsamkeit an einem nagt und niemand so Recht weiß, wo es hingehen soll. All diese Substitute sollen uns nur vergessen lassen, dass die Leere in uns allen tobt, glaube ich manchmal.

Nichts davon funktioniert am Ende. Wir werden alle gefressen, wenn wir nicht aufpassen. Es gibt keine Kontrolle, es gibt nur einen Fluss, der uns mitnimmt und dem wir im besten Falle vertrauen, dass er uns beschützt und uns zur Liebe bringt. Am besten zu der, zu uns selbst.

Ich umarme Dich feste,

Deine Meike

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